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Therapie der Hypertonie

Die Resistenz, die keine ist

Von einer therapieresistenten Hypertonie spricht man, wenn der Blutdruck eines Patienten trotz der Einnahme von mindestens drei antihypertensiven Medikamenten immer noch zu hoch ist. Etwa ein Drittel dieser Patienten ist aber gar nicht resistent, sondern schlicht non-adhärent, wie kanadische Ärzte nun zeigen konnten. Ihre Methode: eine Medikamenteneinnahme unter Aufsicht.
Annette Mende
05.07.2019
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Fragt man Patienten mit Bluthochdruck, ob sie ihre Tabletten auch regelmäßig einnehmen, erhält man in den meisten Fällen eine positive Antwort. Diese ist aber oftmals geschwindelt – ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt. Dass hinter einer vermeintlichen Therapieresistenz häufig eine Non-Adhärenz steckt, zeigte jetzt eine Gruppe um Dr. Marcel Ruzicka von der University of Ottawa.

Wie die Autoren in einem Brief an das Fachjournal »JAMA Internal Medicine« berichten, wählten sie für ihre Studie Patienten mit offensichtlich therapieresistenter Hypertonie aus. Die Teilnehmer hatten trotz der Einnahme von drei oder mehr Blutdrucksenkern in der ambulanten Blutdruck-Langzeitmessung (ABDM) über 24 Stunden am Tage einen durchschnittlichen systolischen Blutdruck von mindestens 135 mmHg. Ihre Therapietreue war hoch, wie vor dem Einschluss in die Studie von einer Krankenschwester mithilfe eines standardisierten Fragebogens ermittelt sowie anhand der in der Apotheke dokumentierten Abgabe der Medikamentenpackungen der letzten sechs Monate und dem Zählen der noch vorhandenen Tabletten überprüft wurde.

Die Intervention bestand darin, dass die Patienten einmalig ihre Blutdruckmedikamente unter der Aufsicht einer Krankenschwester einnahmen (Directly Observed Therapy, DOT). Anschließend wurde der Blutdruck bis zum Peak der Medikamentenwirkung überwacht, woran sich eine 24-Stunden-ABDM anschloss. Einen Monat später wurde eine weitere 24-Stunden-ABDM vorgenommen. Der primäre Endpunkt, der bei 48 Teilnehmern erhoben werden konnte, war der Anteil der Patienten mit systolischen Blutdruckwerten im Zielbereich unter 135 mmHg tagsüber bei der ersten Messung. Der sekundäre Endpunkt entsprach diesem Anteil bei der zweiten Messung und konnte bei 46 Teilnehmern ermittelt werden.

In der ersten Messung nach der DOT sank der systolische Blutdruck bei 14 Patienten (29 Prozent) drastisch, nämlich um durchschnittlich 26 mmHg, und somit in den Zielbereich. 34 Patienten (71 Prozent) lagen mit ihrem Blutdruck weiter über 135 mmHg, doch auch bei ihnen war ein leichter Rückgang um durchschnittlich 3 mmHg zu verzeichnen. Auch in der zweiten Messung erreichten 14 Patienten den Zielbereich (durchschnittliche Blutdrucksenkung um 22 mmHg), während 32 darüber lagen (durchschnittliche Blutdrucksenkung um 6 mmHg).

Die Non-Adhärenz sei unter Patienten mit offensichtlich therapieresistenter Hypertonie hoch, interpretieren die Autoren ihr Ergebnis. Das gelte auch für diejenigen, die angeben, adhärent zu sein. Bemerkenswert ist, dass die Hälfte der Teilnehmer aufgrund ihrer unkontrollierten Hypertonie zuvor bereits ein kardiovaskuläres Ereignis erlitten hatte. Offensichtlich war aber auch diese Erfahrung kein ausreichender Motivator für eine bessere Therapietreue gewesen.

Interessant ist auch, wie lange der Effekt der Intervention anhielt: Die meisten Patienten, deren Blutdruck direkt nach der DOT gesunken war, hatten auch einen Monat danach noch deutlich niedrigere Werte. Dass dies eine direkte Folge der DOT war, ist auszuschließen. Kein Blutdrucksenker wirkt nach einmaliger Gabe einen ganzen Monat lang. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Einnahme unter Aufsicht und vor allem der spürbare Effekt derselben sich positiv auf die Adhärenz der Teilnehmer auswirkte, und zwar auf Dauer – oder zumindest einen Monat lang.

DOI: 10.1001/jamainternmed.2019.1455

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